Psairer Geschichte(n)

Sein Heimattal Passeier hat den Historiker und Kulturvermittler Manfred Schwarz immer schon interessiert. In seinen historischen Recherchen ging es ihm stets darum, einen etwas „anderen“ Blick auf die Vergangenheit zu bekommen – weg von den „großen“ Momenten der Geschichte, hin zu einem besseren Verständnis des Alltagslebens früherer Zeiten. Eine wichtige Quelle für seine Forschungen waren historische Zeitungen und Zeitschriften. Aus über 20.000 Artikeln hat er die interessantesten zusammengetragen und durch historisches Bildmaterial ergänzt (u.a. die Bilder des Landschaftsmalers Wilhelm Riefstahl, die Landschaftsfotografien aus Pfelders von Moritz Lotze und seinen Söhnen aus den 1860er Jahren und die Abbildungen des bäuerlichen Alltags der Fotografin und Volkskundlerin Erika Hubatschek aus den 1940er Jahren). Zwei Bücher sind aus dieser Arbeit hervorgegangen:

Aus Passeier schreibt man uns…“ so der Band über die Zeit von 1848 – 1918 und „Zum Lachen, zum Weinen ist’s schier“ so der Titel des zweiten Bandes über die Zeit von 1919 – 1999. Beide Bücher sind im Verlag Passeier erschienen.

Für „Unser Land“ hat uns Manfred Schwarz besonders interessante, kuriose oder ungewöhnliche „Psairer Geschichte(n)“ erzählt – etwa vom Gabelfrühstück von Kaiser Franz Josef im Sandhof oder von den nie verwirklichten Infrastrukturprojekten im Tal wie dem Jaufentunnel oder der Elektrobahn übers Timmelsjoch.

zu hören am Donnerstag, 16. Dezember ab 18.05 Uhr auf RAI Südtirol.

Vom Pompadourkleid bis zum Minirock

In der Radio-Reihe Vom Pompadourkleid bis zum Minirock: besondere  Kleidungsstücke und ihre Geschichte geht es um außergewöhnliche Kleidungsstücke, die Geschichte geschrieben haben – vielleicht, weil die erste Trägerin/der erste Träger so bekannt waren; vielleicht, weil die Kleidungsstücke einen neuen Stil begründet haben; vielleicht, weil sie ein Symbol waren für eine bestimmte gesellschaftliche Schicht, weil sie für ein neues persönliches Selbstverständnis standen oder weil man mit ihnen politische Zeichen setzen wollte.

FolgeTerminInhalt
115.11.Pompadourkleid: Madame de Pompadour als Stil-Ikone
216.11.Trägt der Papst Prada? Rote Schuhe
317.11.Die Schamkapsel
418.11.Gewagte Durchblicke: Risse und Schlitze
519.11.Coco Chanel und das “kleine Schwarze”
622.11.Hoch oder breit? Kothurnen, Absätze und Kuhmaulschuhe
723.11.Der Bikini
824.11.Trenchcoat – ein Mantel für den Schützengraben?
925.11.Mary Quant und der Minirock
1026.11.Das weiße T-Shirt

zu hören auf RAI Südtirol

Eine k.u.k.Familiengeschichte

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Machen wir in Gedanken eine kleine Zeitreise, zum Beispiel ins Jahr 1901. Damals hätten wir von Lemberg in der heutigen Ukraine bis nach Dubrovnik im südlichen Kroatien reisen können, von Riva am Gardasee über Bozen bis nach Wien, von Bregenz bis nach Budapest und von Prag bis nach Triest. Es wäre immer das gleiche Habsburgerreich gewesen.

Die k.u.k.-Monarchie war ein Vielvölkerstaat. Rund ein Viertel der Bevölkerung sprach Deutsch, knapp 20 % hatte Ungarisch als Muttersprache, an dritter Stelle kam das Tschechische mit etwa 12% der Sprechenden. Auch unterschiedliche Religionen waren in der k.u.k.-Monarchie vertreten. Familien mit einem multikulturellen oder multireligiösen Hintergrund gab es auch schon im Habsburgerreich – und zwar gar nicht so selten.

In unserer Sendung „Unser Land“ um genau so eine multikulturelle Familiengeschichte aus der Habsburgerzeit. Es ist die Familiengeschichte von Eva Klein. Die Journalistin, die rund 30 Jahre lang fürs Deutsche Blatt beim Alto Adige in Bozen geschrieben hat, wurde vor fast 90 Jahren – am 23. November 1921 – in Prag geboren. In der Familie ihres Vaters, Hoteliers aus dem nordböhmischen Trautenau/Trutnov, sprach man Deutsch und Böhmisch. Die Familie mütterlicherseits, die gutbürgerliche Holzhändlerdynastie Giacomuzzi stammte aus Südtirol und dem Fleimstal im früheren Welsch-Tirol. Frantisek/Franz Klein hatte in der k.u.k.-Armee als Offizier gedient und im Ersten Weltkrieg für Österreich-Ungarn gekämpft, seine Frau Giannina/Johanna aus Neumarkt hatte er im mährischen Olmütz kennengelernt, als sie ihre dort verheiratete Schwester besuchte.
Die Eltern von Eva Klein verstanden sich Zeit ihres Lebens als „Alt-Österreicher“, führten jedoch im liberal-aufgeschlossenen Prag der 1920er und 1930er Jahre ein weltoffenes, geselliges Leben und pflegten viele Freundschaften. Erst der Zweite Weltkrieg riss zahlreich Familienbande auseinander.

Bei einem Treffen in diesem Sommer hat Eva Klein ihre bunte k.u.k.-Familiengeschichte rekonstruiert – samt den komplizierten Verwicklungen und Verstrickungen nach 1918 und nach 1945.

zu hören bei „Unser Land“ am 14. Oktober 2021 ab 18.05 Uhr

Pippi Langstrumpf, Nesthäkchen und Peter Pan

Wir alle kennen verschiedene bekannte Figuren aus Märchen, Romanen oder Kinderfilmen.

Doch wie sind die Schriftsteller*innen darauf gekommen? Wen haben sie – vielleicht auch nur unbewusst – mit ihren Figuren porträtiert?

Interessant ist, dass es für manche Autor*innen oft interessante, reale Vorbilder gab, die sie inspiriert haben. In dieser Reihe erfahren wir unter anderem wer tatsächlich hinter Alice im Wunderland, Peter Pan, Jim Knopf, Emil und die Detektive, Nesthäkchen oder Harry Potter steckt.

FolgeTerminInhalt
16.9.2021Pippi Langstrumpf (Efraim Langstrumpf)
27.9.2021Michel aus Lönneberga
38.9.2021Alice im Wunderland
49.9.2012Das Sams (Martin Taschenbier)
510.9.2021Märchenfigur: Blaubart
613.9.2021Nesthäkchen
714.9.2021Peter Pan
815.9.2021Jim Knopf
916.9.2021Emil und die Detektive
1017.9.2021Figuren aus “Harry Potter”

Alle Folgen gibt es zum Nachhören auch in der Mediathek von RAI Südtirol.

Gesundheitsrisiken und Risikokultur

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Dass es im Leben nicht immer reibungsfrei, glatt und gefahrlos zugehen kann – das ist eine altbekannte Weisheit. Risiken gehören immer dazu. Freiherr Amschel Mayer von Rothschild hat es im 18. Jahrhundert mit einem witzigen Zitat so auf den Punkt gebracht:

Es gibt keine risikofreie Gesellschaft. Selbst ein tugendhaftes Leben hat seine Risiken, wie ein Sprichwort sagt: ”Wenn Mann und Frau zeitig zu Bett gehen, um Kerzen zu sparen, werden sie schließlich mit Zwillingen belohnt.“

In der letzten Folge der Sommerreihe „Lebenswert Gesundheit“ geht es um unseren Umgang mit Risiken und um Risikokultur. Wieviel Risiko nehmen wir in bestimmten Situationen in Kauf? Warum tun wir Dinge, von denen wir eigentlich wissen, dass sie riskant sind für unsere Gesundheit? Darüber sprechen wir im ersten Teil der Sendung mit dem Sozialpsychologen und Risikoforscher Moritz Bielefeld. Er arbeitet an der Privatuniversität UMIT in Hall in Tirol und setzt sich dort im Rahmen des EUREGIO-Forschungsprojekts „Environment, Food, Health“ EFH speziell auch mit ernährungs- und gewichtsbezogenen Risiken auseinander.

Im zweiten Teil geht es um einen weiteren Schwerpunkt dieses EUREGIO-Forschungsprojekts „Environment, Food, Health“ EFH: Am Versuchszentrum Laimburg werden in verschiedenen Studien die gesundheitsförderlichen Komponenten in regionalen Lebensmittel genauer untersuchen. Peter Robatscher, der Leiter des Labors für Aromen und Metaboliten erzählt mehr darüber und spricht unter anderem auch von der Entwicklung einer „alpinen Variante“ der mediterranen Diät.

zu hören am 30. August 2021 ab 9.05 Uhr auf RAI Südtirol

Eine museale Pilgerreise

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Drei Schauplätze, drei Schwerpunkte – und alles dreht sich um religiöses Brauchtum, um Heiligenverehrung und ums Pilgern. In einem gemeinsamen länderübergreifenden Projekt laden das Diözesanmuseum Brixen, das Augustinermuseum Rattenberg und das Museum Rablhaus in Weerberg bei Schwaz zu einer “musealen” Pilgerreise ein. “Heiliges und Heilige über den Pass”, so heißt die dreigeteilte Ausstellung. Es geht ums Reliquienwesen, es geht um Votivgaben an Wallfahrtsorten – und es geht um bekannte Heilige und so genannte “Exotenheilige”, die fast vergessen sind.

Für die Sendung „Unser Land“ spreche ich darüber mit Kathrin Zitturi und Hans Grießmair vom Diözesanmuseum in Brixen und mit Petra Streng vom Augustinermuseum in Rattenberg.

zu hören am Donnerstag, 19. August ab 18.05 Uhr auf RAI Südtirol

Sport für die Seele

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Das, was viele Menschen heute verbindet, ist die Erfahrung von Verlusten: Der Verlust eines geliebten Menschen durch seinen plötzlichen Tod, der Verlust der eigenen Unversehrtheit durch eine Krankheit, der Verlust von Sicherheit und beruflicher Stabilität, der Verlust von vertrauten Routinen, von sozialen Kontakten und Beziehungen.

Verluste sind schmerzhaft und lösen oft tiefe, auch widersprüchliche Gefühle in uns aus. Doch im Alltag bleibt oft nicht genügend Zeit, sich damit auseinander zu setzen und die Gefühle zu verarbeiten. Dann kann es sein, dass der Körper uns anzeigt, dass uns etwas auf der Seele lastet, uns bedrückt.
Eine ungewöhnliche Art, Körper und Psyche wieder in Einklang miteinander zu bringen und den Gefühlen Raum zu geben, hat eine junge Österreicherin aus Reutte in Tirol entwickelt: Seelensport® nennt sich die Methode.

Wir haben für die Sendung Lebenswert Gesundheit mit Katrin Biber, der Gründerin von Seelensport® und Autorin des Buches „Seelensport. Bewege deinen Körper und stärke deine Seele“ gesprochen. Und wir waren mit dabei bei einem Seelensport®Spaziergang im Biotop von Lana, den die einzige zertifizierte Seelensport®-Trainerin Südtirols Astrid Fleischmann in diesem Frühling angeboten hat.

zu hören bei Lebenswert Gesundheit
am 19. Juli 2021 um 9.05 Uhr RAI Südtirol

Reisegepäck erzählt Geschichte(n)

Sommerzeit ist Reisezeit – und fürs Reisen brauchen wir nicht nur ein Ziel und ein Verkehrsmittel, um dorthin zu gelangen. Wir brauchen auch das passende Reisegepäck, um unsere wichtigsten Habseligkeiten zu verstauen. Wer zum Beispiel im 19. Jahrhundert in die eleganten Kurorte nach Meran, Gossensaß oder Gries kam, der wollte mit seinem Gepäck auch seinen Status zeigen. Je mehr Koffer, desto gehobener der Lebensstil. Und ab den 1860er Jahren, als die neue Brennerbahnlinie das “Reisen mit großem Apparat” noch erleichterte, gab es überhaupt kein Halten mehr.

Das erzählt die Historikerin Evelyn Reso vom Touriseum in Meran. Sie hat die Sonderausstellung “Packen, schleppen, rollen. Reisegepäck im Wandel der Zeit” kuratiert, die noch bis 15. November auf Schloss Trauttmansdorff zu sehen ist. Rund 130 Objekte der letzten 250 Jahre erzählen von Lebensstil, Moden und Reisegewohnheiten. Sie erzählen aber oft auch von persönlichen Reiseerlebnissen und manchmal recht abenteuerlichen Lebenswegen.
Begleitet wird die Ausstellung von einem interessanten, schön bebilderten Katalog. Außerdem gibt es auf dem Blog des Touriseums „Koffergeschichten“ zu lesen und als podcast zu hören.

Für die Sendung Unser Land haben wir mit Evelyn Reso einen Rundgang durch die Ausstellung unternommen.
Zu hören am Donnerstag, 8. Juli ab 18.05 Uhr auf RAI Südtirol.

Gröden im 19. Jahrhundert – von Schnitzern, Rodlern und vielen Parallelen zu heute

Die Historikerin Sabine Piazza hat sich intensiv mit der Geschichte ihres Heimattals Gröden beschäftigt. Anhand von zahlreichen Dokumenten aus dem Gemeindearchiv von St. Ulrich hat sie die Lebensbedingungen der Menschen im 19. Jahrhundert rekonstruiert. Entstanden ist daraus auch ein Buch mit dem Titel “Flinke Schnitzer, arme Witwen, freche Rodler”. Es zeigt, dass manches, was heute so typisch ist für Gröden, schon eine lange Tradition hat – die Holzschnitzerei etwa oder die Begeisterung für den Wintersport. Immer wieder tauchen aber auch Überraschungen auf: Die Welt war schon in früheren Zeiten bunter, vielfältiger und vernetzter, als wir uns das heute oft vorstellen.

Für die Sendung „Unser Land“ hat Sabine Piazza einige Themen ihres Buches näher beleuchtet. Sie erzählt von unternehmungslustigen, tüchtigen Grödnern in aller Welt, vom harten Los der Heimarbeiter und akkordarbeitenden Holzschnitzer. Sie hat kuriose Geschichten über moralische Verfehlungen und kleine Gaunereien gefunden, aber auch Dokumente entdeckt, die von gesellschaftlichen Zwängen und Konflikten zwischen der traditionsbewussten Obrigkeit und den freizügigen, neumodischen Touristen und Sommerfrischlern erzählen. Auch von komplizierten Heiratsanbahnungen und von vergangenen Epidemien und Krankheitsbekämfpungen kann sie berichten.

zu hören am Donnerstag, 3. Juni um 18.05 Uhr auf RAI Südtirol

Traminer Dorfgeschichte

Unter Orts- oder Heimatgeschichte versteht man die Vergangenheit eines Dorfes, einer Stadt oder eines engeren regionalen Gebietes. Sie handelt von Alltagserfahrungen genauso wie von den großen Ereignissen im Leben der Menschen eines Ortes. Früher wurde sie oft von Laien geschrieben: von Pfarrern und Dorfschullehrern, von Heimatforschern und Dorfchronisten.
Seit den 1980er Jahren hat auch die Geschichtswissenschaft die regionale Geschichte wieder stärker in den Mittelpunkt gestellt. Man hat erkannt, wie wichtig die historische Sicht auf den Alltag und die engere Lebenswelt sein können für die eigene Identität. Heimatgeschichte bildet somit eine wichtige Ergänzung zur “großen”, überregionalen Geschichte.
In Tramin hat man in Sachen Heimatgeschichte doppeltes Glück: Es gibt dort ein kleines, aber feines Dorfmuseum “Hoamet Tramin und es gibt den Dorfchronisten Roland Zwerger, der außerdem noch studierter Historiker ist.
Als 2019 das Museum sein 30-jähriges Jubiläum feierte und der „Verein für Kultur und Heimatpflege“ 40 Jahre alt wurde, entschloss man sich, eine Sammlung von Aufsätzen von Roland Zwerger in einem Buch zu bündeln. Im Herbst 2020 ist „Tramin in Vergangenheit und Gegenwart“ dann erschienen.

Für die Sendung „Unser Land“ treffen wir uns im „Hoamet Tramin“-Museum mit Roland Zwerger und dem Kustos des Museums Hermann Toll. Eine Auswahl zu treffen aus einer mehrere Tausend Jahre zurückreichenden Geschichte ist nicht leicht; doch Roland Zwerger hat Kurioses, Überraschendes und Besonderes zusammengetragen: Er erzählt von Fundstücken wie einem Figurenmenhir aus der Kupfersteinzeit oder von einem besonderen – südtirolweit einzigartigen – Patrozinium, das auf die Langobarden zurückgeht. Er schildert interessante Entdeckungen rund um das Traminer Aushängeschild, den Wein, der schon im Mittelalter ein Exportschlager war. Er rekonstruiert die Geschichte von Flurnamen, die Verwandtschaftsbeziehungen adeliger Familien und erzählt von einer berühmten Tiroler Glockengießerfamilie, die ihre Spuren auch in Tramin hinterlassen hat. Ungewöhnliche Quellen, wie das Geschäftsbuch einer Traminer Kaufmannsfamilie mit Wurzeln im Trentino, geben Einblick in Lebensalltag und Essgewohnheiten im späten 18. Jahrhundert.

Sein Buch ist „ein buntes Mosaik der Heimatgeschichte“, schreibt Roland Zwerger.
Mehr dazu am Donnerstag, 22. April ab 18.05 Uhr auf RAI Südtirol.